Bildung in Berlin - so sieht es der Dachs


Ja, in letzter Zeit guckt er seltsam, der Dachs, wenn er am Alexanderplatz steht und nach Osten schaut. 

Dort ist nämlich die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. So hieß sie jedenfalls, als ich da das letzte Mal angerufen habe. Eine Hauptaufgabe dieser Senatsverwaltung besteht nämlich genau darin, gelegentlich die Ressorts und den Namen zu verändern. Dann heißt das Ding mal "Bildung, Jugend, Sport", dann "Bildung, Wissenschaft, Jugend", dann wieder "Bildung, Wissenschaft, Forschung"... Vorteil: Immer genug zu tun. Briefköpfe wollen verändert werden, Zettel an den Türen neu gestaltet, Anrufbeantworter neu besprochen. Da sag' nochmal einer die tun nix. Und wer jetzt verlangt, dass sich dort um Bildung in Schulen und Kitas gekümmert werden soll, der hat doch den Popo offen oder was? Wann sollen die denn das noch machen?

Die pädagogische Aufgabe liegt in der Gegenwirkung zur Vergesellschaftung und Entfremdung als Zerrissenheit des modernen Menschen. Der moderne Arbeitsprozess lässt Menschen Zusammenhänge vergessen. Schon bei Kant oder auch Platon ist Emanzipation die Befreiung von den Fesseln der Alltagsmeinungen, das Ermöglichen der Erkenntnis in Konfrontation mit wissenschaftlichen Wissensbeständen- keine unhinterfragten Vorurteile, um die eigene Erkenntnis zu eröffnen und zu „wahrem Wissen“ zu kommen. Idee der Aufklärung: Bildung für alle. Idee des Berliner Schulsystems: Geld sparen. Zeit schinden. Flughafen bauen. 

Ich glaube wir sparen uns die Details über zusammengekrachte Turnhallen, fehlendes Klopapier, Unterrichtsausfälle, fehlende ErzieherInnen (wegen der insgesamt lukratriven Arbeitsbedingungen verzichten diese Gutmenschen nämlich, um sich nicht überpriveligiert zu fühlen), schlecht qualifizierte Lehrer, zu wenig Schul- und Kitaplätze, Schulen ohne Fotokopierer, Kitas, die die Miete nicht zahlen können, usw. 

Der Dachs hatte es bereits auf den Punkt gebracht. 


Gouache und Collage - Mischdachstechnik.



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