Trostlose Stadt



Wir wollen, wenn es wieder Mondnacht wird,
die Traurigkeit zu großer Stadt vergessen
und hingehn und uns an das Gitter pressen,
das von dem versagten Garten trennt.

Wer kennt ihn jetzt, der ihn am Tage traf:
mit Kindern, lichten Kleidern, Sommerhüten, –
wer kennt ihn so: allein mit seinen Blüten,
die Teiche offen, liegend ohne Schlaf.

Figuren, welche stumm im Dunkel stehn,
scheinen sich leise aufzurichten,
und steinerner und stiller sind die lichten
Gestalten an dem Eingang der Alleen.

Die Wege liegen gleich entwirrten Strähnen
nebeneinander, ruhig, eines Zieles.
Der Mond ist zu den Wiesen unterwegs;
den Blumen fließt der Duft herab wie Tränen.
Über den heimgefallenen Fontänen
stehn noch die kühlen Spuren ihres Spieles
in nächtiger Luft.

Rainer Maria Rilke

Kommentare

Meistgeklickt im letzen Monat:

Voll die echte Künstlerin werden, ey?!

Dachs auf Rügen IV: Die Schaabe, Juliusruh und Kap Arkona

Blaues Auto, blaue Berge - soziale Therapiewirkung

Januar früher

Der Kürbis - sich von den anderen unterscheiden

Telefonkritzeleien mit Rechenaufgaben....

Give me FIVE

Rööööööööööööööhhhrrrrrr - Machtkämpfe

Akt am Strand modern

Der Malwettbewerb